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Auch das noch!
1983 gings richtig los mit dem Dirigieren. Nach ein paar Monaten als kommissarischer Domkapellmeister nach dem Tod des Vorgängers hatte ich Blut geleckt und fand das nicht uncool, so eine Es-Dur-Messe von Schubert oder eine Bruckner-Messe. Und so dirigierte ich das Wiener Kirchenmusikrepertoire und viele a-capella-Literatur, außerdem noch die h-Moll-Messe, den „Lobgesang“ von Mendelssohn und das Requiem von Duruflé. (Die Turbo-Fassung natürlich, volles Rohr, mit dem solitären Beckenschlag im Hosanna!) (Die h-Moll-Messe ohne Beckenschlag, aber ebenfalls volles Rohr.) Vor allem ist aber inzwischen das Repertoire für Orgel und Orchester zu meinem Hobby geworden. (Was denn, was denn! Andere besetzen Atomkraftwerke! Orgel-Orchester ist harmlos, wirklich!) Ich werde ganz kribbelig, wenn ich mir so anschaue, was da so rundherum aufgeführt wird: Poulenc, Poulenc, Rheinberger, Poulenc, Poulenc, Händel, Händel, Poulenc -enc -enc -enc. Ein Jammer! Dabei hat ein neulich erschienenes kluges Buch etwa 500 Orgelkonzerte aufgelistet. 142 habe ich bei mir zu Hause - als Partitur oder Klavierauszug oder Aufnahme. Und 30 hab ich schon selbst dirigiert. Wenn von den 500 bekannten Orgelkonzerten die Hälfte in Ordnung ist und davon wieder die Hälfte hörenswert, dann bleibt immer noch ziemlich viel zu tun. Und ich möchte gerne viel davon selbst tun. Begonnen habe ich damit gleich nach Fertigstellung der neuen Orgel im Stephansdom 1991. Jedes zweite Jahr gab es ein Orgelfest mit einem Orgel-Orchester-Abend, bei dem immer gleich mehrere Werke dieser Art aufgeführt wurden. Das bot sich einfach an, im Gegensatz etwa zur ebenfalls etwas vernachlässigten Sparte für Tamtam und Orchester. Nichts gegens Tamtam - aber die Domorgel war schon vorhanden und das Domtamtam erst in Planung. Einer der Höhepunkte war sicher die Orgelsinfonie von Aaron Copland - Grundgütiger, war das ein Lärm! Aber wir hatten die Anrainer ohnehin vorsorglich evakuiert. Inzwischen hab ich natürlich meine Tricks. Ist es würdig und recht, billig und heilsam, die oft sehr heikle Lautstärkenbalance zwischen Orgel und Orchester detailliert zu besprechen, während das Orchester spielwillig da sitzt? Nein - vor allem nicht billig. Stattdessen hab ich einen Lauscher im Raum, der während der vorletzten Probe in eine Partitur einträgt, wo es zu laut oder zu leise ist. Das Orchester ist schon längst beim Bier, da wird die Balance zu dritt - der Solist, der Lauscher und ich - besprochen und die Registrierung korrigiert. Wenn die Band wieder sitzt, ist alles fix und fertig. Und hier nun das Repertoire, das ich bis jetzt - im Stephansdom, aber auch bei so manchen anderen Gelegenheiten - dirigiert habe (manches davon - * - waren Erstaufführungen am jeweiligen Ort) : Marco Enrico Bossi, Konzert für Orgel und Orchester (1899) * Gerald Bales, Concerto for Organ and Strings (1950/1957) C. Ph. E. Bach, Konzert für Orgel und Streicher Es-Dur Wq 35 Franz Xaver Brixi, Orgelkonzert Nr. 1, C-Dur Alfredo Casella, Concerto romano (1946) Aaron Copland, Symphony for Organ and Orchestra (1923) Kurt Estermann, Konzert für Orgel und Kammerorchester (1996) (3mal) Alexandre Guilmant 1. Symphonie d-Moll op. 42 Alexandre Guilmant 2. Symphonie A-Dur op. 91 (3mal) * Jean Guillou, Inventions (1. Konzert für Orgel und Orchester) * Howard Hanson, Concerto for Organ and Strings (4mal ) Anton Heiller, Orgelkonzert (1963) (2mal) Anton Heiller, Doppelkonzert f. Cembalo u. Orgelpositiv (1972) (2mal) G. F. Händel, Orgelkonzert B-Dur op. 7 / 1 (2mal) G. F. Händel, Orgelkonzert d-Moll op. 7 / 4 Joseph Haydn, Konzert C-Dur Hob. XVIII / 1 Joseph Haydn, Konzert D-Dur Hob. XVIII / 2 Joseph Jongen, Symphonie concertante op. 81 * Jean Langlais, 3. Konzert “Réaction“ (1971) Ernst Ludwig Leitner, Orgelkonzert “Es sungen drei Engel“ * Horatio Parker, Orgelkonzert op. 55 Flor Peeters, Orgelkonzert op. 52 Francis Poulenc, Orgelkonzert (3mal) Peter Planyavsky, Kremser Konzert f. Orgel und Streicher (1985) (4mal) * Peter Planyavsky, Concerto Carinthico f. Orgel und Streicher (3mal) Ottorino Respighi, Suite für Orgel und Streichorchester Joseph Rheinberger, 1. Orgelkonzert F-Dur Joseph Rheinberger, 2. Orgelkonzert g-Moll Camille Saint-Saens, Orgelsymphonie Wolfgang Sauseng, “auf meinem Lager, des Nachts“ (Orgel, Klavier, Streicher) * Leo Sowerby, Classic Concerto PS. Hier ist auch noch der genaue Titel des Buches mit den 500 Konzerten: Volker Choroba, Das Konzert für Orgel und Orchester im 19. und 20. Jahrhundert. Hardcover, 341 S. Bärenreiter-Verlag Kassel © 2001. www.baerenreiter.com
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